Das Projekt „Turning Points“ des Volkskundemuseum Wien und Múzeum Mesta Bratislavy hat die ersten sechs Monate seines Bestehens hinter sich, die von Recherchen, Archivarbeit und der Planung unterschiedlichster Aktivitäten geprägt waren. Vor allem
aber unterhalten wir uns sehr viel mit spannenden Menschen, die sich für das Projekt interessieren und inspirierende Perspektiven einbringen. Es wurden Kooperationen mit der Österreichischen Mediathek im Bereich MenschenLeben und der Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien vereinbart.
Wir interessieren uns in diesem Kontext für bereits vorhandene biografische Texte oder Interviews, die in verschiedenen Institutionen aufbewahrt werden, und Wendepunkte im Leben von Menschen dokumentieren. Besonders faszinierend ist es für uns, Zusammenhänge zwischen persönlichen oder individuellen Wendepunkten und gesellschaftlichen oder historischen Veränderungen zu entdecken. Gleichzeitig erforschen wir, was zu diesen Veränderungen geführt hat und wie diese Ereignisse das
weitere Leben beeinflusst haben.
Da wir uns im Rahmen eines partizipativen Ansatzes bei der Gestaltung der Projektinhalte dazu entschlossen haben, die Entscheidung darüber, was als gesellschaftlicher oder historischer Wendepunkt angesehen werden kann, unseren Forschungspartner:innen zu überlassen, organisieren wir Treffen mit Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft. Für die Gespräche sind wir den Senior:innen vom Klub+ Atelier im 8. Bezirk in Wien, unseren lieben „Schneebällen“, also
die freiwilligen Mitarbeiter:innen vom Volkskundemuseum, aber auch dem Klub junger Senior:innen der Jüdischen Religionsgemeinde in Bratislava sehr dankbar.
Da wir im Zuge von Turning Points zahlreiche Aktivitäten für Schulen und Jugendliche geplant haben, hatten die ersten Teilnehmer:innen bereits die Möglichkeit, unser Projekt kennenzulernen. Gleichzeitig haben sie uns geholfen, ihre Ansichten und ihre Wissen über die letzten 40 Jahre und die
Grenze zwischen Österreich und der Slowakei besser zu verstehen und kennenzulernen. Weiters erarbeiten wir im Gespräch mit ihnen, wie der Bunker im Schönbornpark in Zukunft bespielt werden könnte, fragen sie nach ihren Vorstellungen und welche Aktivitäten sie dort gerne selbst durchführen würden.
Im Rahmen des Projekts werden nämlich zwei sehr unterschiedliche Gebäude revitalisiert und künftig dauerhaft für kulturelle und demokratiebildende Zwecke gebraucht: In Wien wird der Luftschutzbunker im Schönbornpark zu einem vielfältig nutzbaren Public Space umgestaltet, in Bratislava entsteht in einem modifizierten Bürgerhaus eine neue zeitgeschichtliche Ausstellung. Wir haben den Dialog mit Bunkerexpert:innen gesucht, sind den gegenwärtige Nutzungen von ähnlichen, ehemaligen Kriegsbauten nachgegangen und sondieren gemeinsam mit dem Museumsteam, wofür sich dieser ungewöhnliche Raum eignet und nicht eignet.
Über den Sommer planen wir an mehreren Terminen vor Ort zu sein, um noch einmal vor dem Umbau die Türen des Bunkers zu öffnen. Neugierige können sich das Innere des oft übersehenen,
historisch aufgeladenen Gebäudes anschauen, sich über seine Geschichte informieren sowie eigenen Ideen für die zukünftige Verwendung einbringen. Der Baubeginn zur Adaptierung ist für
Herbst 2026 geplant. Stay tuned!
